Neue Fenster für die Dorfkirche Paitzdorf (Thüringen)
Neue Fenster für die Dorfkirche Paitzdorf (Thüringen)

„Verwittert und mürbe“

Fassaden- und Fenstersanierung der Dorfkirche Paitzdorf

Mit dem erfolgreichen Abschluss des dritten Bauabschnitts ist die umfassende Sanierung der Süd- und Ostseite der Dorfkirche Paitzdorf im thüringischen Landkreis Greiz vollendet worden. Nach den vorangegangenen Instandsetzungen der Dächer und Tragwerke von Turm (2013) und Kirchenschiff (2018) zeigt sich das historische Gotteshaus nun wieder von seiner besten Seite.

Feuchtigkeit und verrostete Rahmen

Vor Beginn der aktuellen Arbeiten boten die Süd- und Ostseite der Paitzdorfer Kirche ein durchaus besorgniserregendes Bild: Das Mauerwerk der spätgotischen Chorturmkirche war stark verwittert, mürbe und stellenweise von versalztem Außenputz überzogen.

Besonders kritisch war der Zustand der Fensterfront. Die Sprossen der bisherigen Fensterteilungen waren durch Korrosion tiefgreifend geschädigt. Dadurch ließen sich die Fenster nicht mehr ausreichend öffnen und es fehlte an einer wirksamen Querlüftung des Kirchenraumes. In dem unbeheizten Gebäude staute sich kontinuierlich die Luftfeuchtigkeit, was zu schweren Folgeschäden im Innenputz und am Mauerwerk führte.

Vom fachgerechten Verputz bis zur Bleiglasrestaurierung

Zunächst wurde die betroffene Fassadenseite komplett eingerüstet und anschließend systematisch instand gesetzt. Das Mauerwerk wurde gründlich von losen Putzschichten sowie versalzenen Zonen gereinigt. Vertiefte Fehlstellen wurden fachgerecht mit Ziegeln und Kalkmörtel „ausgezwickelt“, bevor ein mehrlagiger Neuverputz aus reinen Kalkputzen aufgetragen wurde. Um künftigen Verwitterungsschäden vorzubeugen, wurden die Gurtgesimse mit Blechen abgedeckt, die weit genug überstehen und integrierte Tropfkanten haben.

Vier große und zwei kleine Fenster wurden komplett ausgetauscht. Die neu angefertigten Metallrahmen-Fenster erhielten Einscheibenverglasungen und wurden farblich eng mit dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt. Damit die Fenster ausreichend Luft durchlassen und die Feuchtigkeit entweichen kann, wurden die Sprossen etwas breiter gestaltet – sie orientieren sich aber weiterhin am historischen Bestand. Zwei historische Bleiglasfenster im Altarraum wurden restauratorisch überarbeitet und fachgerecht instand gesetzt.

Den optischen Abschluss bildete ein Fassadenanstrich mit reinen Silikatfarben, bei dem die Fenster farblich abgesetzt wurden. Zahlreiche engagierte Ehrenamtliche aus der Kirchengemeinde haben das Baugeschehen bei Reinigungsarbeiten unterstütz und beispielsweise die Fassadenmalerarbeiten in Eigenleistung ausgeführt.

Die KiBa hat die Sanierung in Paitzdorf mit 10.000 Euro unterstützt – ebenso wie die Maßnahmen von 2013 und 2018.

Historische Wurzeln

Urkundlich wurde Paitzdorf erstmals im Jahr 1290 erwähnt. 1302 übertrug Heinrich I., Vogt von Plauen, das Patronatsrecht der Kirche an das Kloster Cronschwitz. Bis zur Reformation blieb das Dorf den Klöstern Cronschwitz und Mildenfurth lehensrechtlich verpflichtet. 1527 ging das Lehen an den kursächsischen Rat Anarg von Wildenfels.

Die Paitzdorfer Dorfkirche ist eine einschiffige Saalkirche mit einem spätgotischen, längsrechteckigen Chorturm und einem nördlichen Sakristeianbau. Ihre heutige prägende Gestalt erhielt die Kirche durch zwei große Umbauphasen: 1774/1775 erfolgte eine grundlegende Erneuerung des Kirchenschiffs, 1793 wurde das achteckige Obergeschoss mit geschwungener Haube, Laterne und Helm auf den Turm gesetzt.

Den Innenraum bestimmen eine dreiseitige Empore sowie eine weite Voutendecke. An der Nordseite des Chors befindet sich die Sakristei mit Kreuzgratgewölbe. Zu den herausragenden Ausstattungsstücken zählen die bemalte Kanzel von 1787 mit reich verziertem Deckel sowie die Donati-Orgel aus dem Jahr 1775, die 1862 umdisponiert und auf die Empore versetzt wurde.

Die drei Bronzeglocken wurden 1959 von der Gießerei Schilling in Apolda gegossen – eigentlich für die Kirche in Culmitzsch. Das Dorf musste aber dem Uranabbau weichen und so fanden die Glocken 1969 in Paitzdorf ein neues Zuhause.

Ein Blick auf den Ort

Die Gemeinde Paitzdorf liegt rund 15 Kilometer östlich von Gera im Ronneburger Acker- und Bergbaugebiet an der Westlichen Sprotte. Rund 400 Menschen leben hier. 1959-1990 wurde im Thüringer Lagerstättenrevier Ronneburg intensiv Bergbau betrieben. Die einst mächtigen Abraumhalden wurden bis zur Bundesgartenschau 2007 erfolgreich saniert und umgelagert. Heute hat Paitzdorf zusammen mit dem Ortsteil Mennsdorf ein aktives Dorfleben, in dessen Mitte die frisch sanierte Kirche nun wieder als stolzes Wahrzeichen steht.

Über den Atlantik: 1838 wanderten etwa 40 Paitzdorfer Altlutheraner nach Amerika aus und gründeten im US-Bundesstaat Missouri Siedlungen wie Uniontown (ursprünglich Paitzdorf) und Altenburg. Das ist heute noch eine wichtige Paitzdorfer Geschichte.