Klosterkirche Loccum (Niedersachsen)
Klosterkirche Loccum (Niedersachsen)

Kirchlicher Campus mit klösterlicher Seele

Die KiBa-Mitgliederversammlung im Kloster Loccum

Loccum wirkt auf den ersten Blick wie ein beschauliches Klosterdorf. Tatsächlich aber befindet sich hier aber einer der bedeutendsten kirchlichen Bildungs- und Tagungsorte Norddeutschlands. Zwischen mittelalterlichen Mauern und moderner Seminararchitektur ist ein regelrechter „Kirchencampus“ entstanden. Perfekt für die Mitgliederversammlung – und doch voller Herausforderungen.

Die beginnt gleich mit der Anreise. Man kann Loccum durchaus mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen, einen eigenen Bahnanschluss hat der Ort allerdings nicht. Wer nicht mit dem eigenen Auto anreist, ist auf den Bus angewiesen. Am einfachsten geht das von Wunstorf aus, das wiederum per S-Bahn oder Regionalexpress über Hannover an „die weite Welt“ angeschlossen ist. Ist man aber erst einmal vor Ort, lässt sich praktisch alles zu Fuß erreichen. Den beschaulichen Weg am Wald zwischen Akademie und Klosterkirche legen wir im Laufe der Zeit unzählige Male zurück – oft genug mit bangem Blick gen Himmel, ob das Wetter vielleicht nicht doch ein Einsehen mit all denen hat, die nicht ganz so schnell unterwegs sind.

Das ehemalige Zisterzienserkloster Kloster Loccum wurde 1163 gegründet. Vieles wurde erhalten und man fühlt sich an mancher Stelle lebhaft in die Vergangenheit versetzt, denn die einmalig ruhige Atmosphäre regt ganz wunderbar die Phantasie an. Woran haben die Mönche wohl gedacht, während sie durch den Kreuzgang gewandelt sind? Welche Ängste und Sorgen haben sie im Gebet in der Klosterkirche vor Gott gebracht? Die tägliche Hora um 18h mag dazu Antworten liefern. An jedem Werktag versammeln sich Menschen im Hohen Chor der mittelalterlichen Kirche zum etwa 20-minütigen Abendgebet, es wird gesungen und in der Stille kann jeder seinen Gedanken nachhängen. Was die Hora so besonders macht, ist ihre Kontinuität: seit Jahrhunderten kommen die Menschen an diesem Ort zum Gebet zusammen. Selbst in Krisenzeiten wird die Tradition nach Möglichkeit aufrechterhalten. Wenn man so möchte: die Hora ist der geistliche Herzschlag Loccums.

Sieben Einrichtungen bilden Loccums „Kirchlichen Campus“: loser, Predigerseminar, Akademie, Religionspädagogisches Institut, Pastoralkolleg, Tagungsstätte und Verwaltungsstellen. Pro Jahr kommen etwa 25.000 Gäste und Teilnehmende hierher, rund 200 Mitarbeiter sind in Loccum beschäftigt. Und die haben mit dem KiBa-Förderverein gut zu tun. Eine so große Gruppe hat den Campus noch nie besucht. Die Übernachtungsplätze im Tagungshaus der Akademie und im Kloster bzw. Predigerseminar sind restlos ausgebucht. Bei Vollverpflegung ist das ein gewaltiges Stück Arbeit – vor allem dann, wenn am Freitagabend noch ein festliches Abendessen und am Samstag zuerst ein Gottesdienst und dann die eigentliche Mitgliederversammlung stattfinden sollen (die beiden letztgenannten nacheinander in der Kirche mit kurzer Umbauphase dazwischen).

Torhaus mit Klosterladen und Café

Torhaus mit Klosterladen und Café

Torhaus mit Klosterladen und Café

Torhaus mit Klosterladen und Café

Seit 2009 ist das Predigerseminar im Kloster Loccum das einzige Predigerseminar der Landeskirche Hannovers

Seit 2009 ist das Predigerseminar im Kloster Loccum das einzige Predigerseminar der Landeskirche Hannovers

Verbindungsweg zwischen Akademie und Kloster

Verbindungsweg zwischen Akademie und Kloster

Innenhof der Klosteranlage, in der Mitte das Refektorium

Innenhof der Klosteranlage, in der Mitte das Refektorium

Brauteich, dahinter die Pilgerstube Loccum

Brauteich, dahinter die Pilgerstube Loccum

Blaue Stunde: Blick zum Refektorium

Blaue Stunde: Blick zum Refektorium

Blick zum Klosterfriedhof nahe der Kirche

Blick zum Klosterfriedhof nahe der Kirche

Das Gebiet um das Kloster Loccum lässt sich herrlich zu Fuß oder per Rad erkunden

Das Gebiet um das Kloster Loccum lässt sich herrlich zu Fuß oder per Rad erkunden

Wie das bei großen Gruppen so ist: stets sind hunderte kleine und große Fragen zu klären. Manchmal verschiebt sich der Zeitplan. Und Unwägbarkeiten, an die niemand denken konnte, treffen eh ungefragt ein. Wie gut, dass man sich dann stets auf die „Kloster-Crew“ verlassen kann! Kompetent und freundlich werden jegliche Schwierigkeiten so einfach aus der Welt geräumt, als wäre das gar nichts. Stets hat ein jeder ein Lächeln auf den Lippen. Unwillkürlich fragt man sich, warum die Welt nicht immer so sein kann wie hier im Kloster Loccum. 

Das festliche Abendessen markiert einen Meilenstein. Wir müssen uns aufteilen, denn für das beeindruckend gedeckte Refektorium sind wir einfach zu viele. Im nahe gelegenen Speisesaal und im Wintergarten finden alle Platz. Mit einem plattdeutschen Gebet eröffnet Landesbischof Ralf Meister den Abend. Für ihn ist das hier gewissermaßen ein doppeltes Heimspiel, denn seit 2020 bekleidet er das Amt des Abtes und leitet den Konvent des Klosters. Gleichzeitig ist er auch Vorstandsvorsitzender der Stiftung KiBa – er könnte aber auch als Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) auftreten. Immerhin kommen viele Mitglieder des Fördervereins aus den Gliedkirchen der VELKD.

Unzählige gute Gespräche werden an diesem Abend geführt und so mancher vergisst beinahe den Gang zum Buffet, weil er sich aus einer anregenden Debatte nicht lösen möchte. Am Ende – es ist schon dunkel geworden – sitzen noch immer kleine Grüppchen beisammen und unterhalten sich. Über Gott und die Welt, über Kirchen und ihre Rettung, über das, was uns am Ende zusammengeführt hat. Wieder einmal wird überdeutlich, dass der Förderverein mehr als nur ein eingetragener Verein ist. Hier lernen sich die Menschen tatsächlich kennen und das gemeinsame Anliegen und Interesse ist die beste Verbindung, die man sich wünschen kann. Mitgliederversammlungen sind wie Klassentreffen. Wieder einmal bewahrheitet sich das, was uns schon längst bewusst ist.

Im Gottesdienst am Samstagmorgen reffen sich alle wieder. Der Gemeindegesang braust förmlich durch die Stiftskirche, begleitet von Stiftskantor Michael Merkel an der Orgel, die für sich genommen schon ein ziemlicher Blickfang ist: Wie ein silberner Kubus sieht das Instrument aus, das erst 2012/13 von der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn erbaut wurde. Sie ersetzte die ältere Ott-Orgel aus den 1950er Jahren, die restaurierungsbedürftig geworden war und später nach Nizza verkauft wurde. Die Fertigstellung fiel bewusst mit dem 850-jährigen Jubiläum des Klosters zusammen. 37 Register und mehr als 2.400 Pfeifen sorgen für einen herrlichen Klang. Ein Unikat ist die „Orgel in der Orgel“: ein zusätzliche spanisches Werk mit sieben Registern mit seiner mitteltönigen Stimmung eignet sich perfekt für die Musik der Renaissance und des frühen Barock. Damit knüpft Loccum an die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Orgeltradition an.

Blick in den hohen Chor der Klosterkirche

Blick in den hohen Chor der Klosterkirche

Altarkerze vor dem spätmittelalterlichen Flügelaltar (um 1500) der Klosterkirche

Altarkerze vor dem spätmittelalterlichen Flügelaltar (um 1500) der Klosterkirche

Landesbischof Ralf Meister (li.) und Regionalbischof Tobias Schüfer (li.) begrüßen die Gottesdienstbesucher

Landesbischof Ralf Meister (li.) und Regionalbischof Tobias Schüfer (li.) begrüßen die Gottesdienstbesucher

Die Kirche füllt sich allmählich.

Die Kirche füllt sich allmählich.

Die Kirche füllt sich allmählich.

Die Kirche füllt sich allmählich.

Die Orgel von 20212/2013 aus der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn

Die Orgel von 20212/2013 aus der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn

Die Orgel von 20212/2013 aus der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn

Die Orgel von 20212/2013 aus der Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn

Nach dem Gottesdienst: Kirsten Kramer, die Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, begüßt die Gäste

Nach dem Gottesdienst: Kirsten Kramer, die Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, begüßt die Gäste

Empfang im Vorraum der Klosterkirche

Empfang im Vorraum der Klosterkirche

Landesbischof Ralf Meister

Landesbischof Ralf Meister

Einen ähnlichen Bogen schlägt Landesbischof Meister in seiner Predigt. „Wo Gott Wohnung nimmt“ ist der Leitgedanke, dem er wortgewaltig nachgeht. Von kleinen Kirchen der Vergangenheit über Großbauwerke der Gegenwart spricht er. Und dass Kirchen ganz unterschiedlich ausgestattet und ausgerichtet sein können. Zum Beispiel die „Kinderkathedrale“ in der nahe gelegenen Stiftskirche zu Wunstorf, die den ganzen Juni über zur Erlebnis- und Entdeckerkirche wird. Was passiert wohl, wenn eine alte Kirche für einige Wochen nicht aus der Sicht von Denkmalpflegern, Historikern oder Theologen betrachtet wird, sondern durch die Augen von Kindern? Plötzlich haben dann auch Erwachsene ganz viel zu entdecken und sehen plötzlich Dinge, an die sie vorher nie gedacht hätten. „Wir entdecken. Wir machen. Wir sind.“, lautet das Motto in Wunstorf. Einfach Worte, die die KiBa und ihr Förderverein wunderbar unterschreiben könnten.

Wenige Stunden später wird die Loccumer Kirche zur Versammlungsstätte. Zahlen, Daten und Fakten kommen auf den Tisch, die Finanzen des Fördervereins werden besprochen und der Überschuss satzungsgemäß der Stiftung KiBa zur Verfügung gestellt. Was hat die KiBa im vergangenen Jahr auf die Beine gestellt? Catharina Hasenclever berichtet ausführlich. Wie haben sich Einnahmen und Ausgaben entwickelt? Andreas Heese kennt seine Zahlen. Ein wichtiger Programmpunkt ist die feierliche Übergabe der Urkunden an die Gewinnergemeinden der „Kirche des Jahres 2026“. Aus Mundelsheim in Baden-Württemberg ist Bärbel Bäuerle angereist, die Kilianskirche hatte den 3. Platz errungen. Für die Siegerkirche, die Stadtkirche Zöblitz in Sachsen, sind Tobias Haueis und Wolfram Rohloff gekommen, die die Urkunde mit sichtbarem Stolz entgegennehmen.

Die Vorstandwahlen gehen schnell über die Bühne – der neue Vorstand setzt sich aus denselben Mitgliedern zusammen wie der alte. Die gute Zusammenarbeit hat sich wieder einmal bewährt und so bleibt am Ende das gute Gefühl von Kontinuität und Neuem. Denn im kommenden Jahr deutet sich nach dieser einmalig schönen Mitgliederversammlung im Kloster Loccum schon das nächste Highlight an: die Stiftung KiBa feiert dann ihren 30. Geburtstag. Darauf freuen wir uns schon jetzt. So Gott will und wir leben, sehen wir uns im Juni 2027 in Hannover.