St. Barbara Golmsdorf
St. Barbara Golmsdorf Steffen Graupner

„Wir sind Förderverein“

2010 haben sich sieben Menschen getroffen - genau so viele, wie man für eine Vereinsgründung braucht

Mit Ausdauer und Fantasie kämpfen sie im kleinen Golmsdorf für den Erhalt ihrer Kirche. Die war 2013 „Kirche des Jahres“ der KiBa und kommt immer besser in Form. Eine Frau führt den Verein der Entschlossenen mit viel Kompetenz und ruhiger Hand: Architektin Claudia Persch.

Claudia Persch will nicht aufs Foto. Dabei sitzen die Haare und fotogen ist sie auch. Doch es geht um Grundsätzliches: „Wenn die Stiftung KiBa etwas über das Engagement in den Fördervereinen der Dorfkirchen berichten will, dann sollten auf dem Foto auch die zu sehen sein, die die Arbeit wirklich machen. Das bin ja hier nicht nur ich“, findet die Vorsitzende des Fördervereins Golmsdorf-Beutnitz. Sie ist vom Fach, das merkt man, denn sogleich hat sie ein Exposé zur Hand, das die Fortschritte an und in der Golmsdorfer Kirche dokumentiert. Eine ganze Seite ist einem Bild gewidmet, das für die Vorsitzende das Ideal des Vereins spiegelt: Auf einem Baugerüst am Turm der Kirche stehen die Mitglieder des Vereins und Freunde, fröhlich lächelnd und Optimismus verströmend.

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Dorffest in Golmsdorf 

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Innenraum der St.-Barbara-Kirche nach dem 1. Bauabschnitt 

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Blick in den Glockenstuhl 

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„Dankeschön-Fest“ in Golmsdorf 

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Die Barbara-Kirche nach dem 1. Bauabschnitt 

Als es im Jahr 2010 losging, da waren sie gerade mal zu siebt – genauso viele Personen, wie man rechtlich braucht, um einen Verein zu gründen. „Der Zeitpunkt für den Start des Vereins war eigentlich ungünstig“, erinnert sich Benjamin Zollmann. Der Ehemann von Claudia Persch ist Bauleiter und ebenfalls Vorsitzender, allerdings vom Gemeindekirchenrat. Die übrigen Kirchen des Kirchspiels waren in den Vorjahren mühsam saniert worden. In St. Barbara zu Golmsdorf fand nur noch der Gottesdienst an Karfreitag und Totensonntag statt. Braucht es dafür eine eigene Kirche?

Die Schäden an der Todgeweihten waren unübersehbar: bröckelnder Putz, tiefe Risse im Mauerwerk und Holzschwamm im Dachstuhl. „Bei der Kirchgemeinde war die Luft raus. Keine Kraft mehr für weitere Baustellen“, beschreibt Claudia Persch die damalige Situation. Sie weiß, wovon sie spricht: Als Projektleiterin saniert sie für die Stadt Jena marode Gebäude und führt sie einer neuen Nutzung zu. Selbstverständlich erschien es der Mutter zweier erwachsener Kinder, die Kirche in ihrem Wohnort künftigen Generationen wenigstens zu sichern. Doch schnell wurde klar: Eine reine Notsicherung genügt den Bewohnern des 600-Seelen-Ortes nicht. Sie wollten ihre Kirche im Dorf behalten. Da hieß es erst mal Geld einsammeln: „Das ist ja das Schwierige in meinem Beruf“, bemerkt die Saniererin, „man muss um viel Geld bitten für Maßnahmen, die am Ende nicht zu sehen sind.“ So, wie bei der vordringlichsten Maßnahme: Ein unterarmdicker Stahlanker hält jetzt die Außenwände zusammen – völlig unsichtbar. Fantasie war gefragt: Ein Buch mit alten Hausrezepten für Thüringer Kuchen, gesammelt von den Dorffrauen, wurde zum wichtigen Finanzbaustein. Ermutigt vom Anfangserfolg waren die Bewohner aufgerufen, nach Neigung und Fähigkeit Angebote zu machen, vom Yogakurs bis zur Ostereierkunst. „Das hat uns alle bereichert, zu sehen, wie viel unbekannte Fähigkeiten in unserem Dorf stecken.“

Von Thomas Rheindorf